Ein Horrorabend Teil 3: belästigender Schluss (“Stop harassing her!”)

Posted in Kotzleute, Leute und Location, Uncategorized with tags , , , , , , , , on 23. April 2014 by Robin Urban

Kurz nach meinem glanzvollen Auftritt wollte Leni zum Bus gehen. Aber sie hatte Angst.
“Ich hoffe, die gehen jetzt nicht auch,” stöhnte sie, als zwei Typen vor der Theke ihre Jacken anzogen.
“Wieso?”
“Die haben mich die ganze Zeit krass angemacht… ich hab gesagt, dass ich kein Interessse habe und jetzt heimgehe, aber sie wollten nicht locker lassen… ich will nicht gleichzeitig mit denen raus…!”

Na, das war ja interessant. Ich fand die Typen schon komisch, als sie rein kamen. Ich hatte sie mit einem freundlichen “Halloooo!” begrüßt, aber als einzige Antwort zwei ausdruckslose Gesichter kassiert. Auch hatte es Probleme gegeben mit dem Bezahlen. Der eine hatte mir zu verstehen gegeben, dass sein Kumpel die zwei Bier übernimmt, der zu dem Zeitpunkt ziellos im Schankraum rumwanderte, der wiederum meinte aber, der andere würde bezahlen. Auch dieses kleine Missverständnis, dem ich lachend begegnete, wurde mit versteinerter Miene kommentiert.

Diagnose war also: komische Kerle. Das gibt’s ja leider viel zu oft. Deshalb konnte ich Lenis Bedenken nachvollziehen. Es sah dann aber so aus, als hätten sie ihre Jacken nur angezogen, weil ihnen wegen des Ventilators kalt war, also war Leni beruhigt, verabschiedete sich und ging.

Woraufhin die beiden Typen einen hastigen Blick wechselten und einer aufsprang, um ihr nach zu gehen.

Völlig entgeistert stand ich da und konnte nicht fassen, was ich gerade gesehen hatte. Dieses stumme Einverständnis, diese… Berechnung. Als hätten die das schon tausend Mal gemacht!

Ich lief dem Typen nach und fing ihn auf der Treppe ab. “Hey! Du bleibst hier! Meine Kollegin hat gesagt, dass sie kein Interesse hat! Lass sie in Ruhe!”
Der Typ starrte auf mich runter und zum ersten Mal zeigte sich eine Regung in seinem Gesicht. Er lachte mich aus. “Okay…!” – sprach er, und ging weiter. Wieder hielt ich ihn auf.
“Hey, Hallo! LASS DAS!! Sie hat ‘nein’ gesagt, also hör auf sie zu belästigen!”
“Okay,” sagte er nochmal, drehte sich um und verschwand.

Ich stand da und war erneut fassungslos. So ein Arschloch!

Zwei andere Gäste hatten die kleine Auseinandersetzung verfolgt. “Ist alles okay? Was ist passiert?”
In knappen Worten schilderte ich den Fall, dann stand ich noch unschlüssig eine halbe Minute blöd rum, bis ich mich entschloss, den Laden allein zu lassen und dem Typen nachzurennen. Leider hatte ich zu lange gezögert – ich ging den halben Weg bis zur Bushaltestelle, aber fand weder von ihm, noch von Leni eine Spur.

Angepisst ging ich zurück. Auf der Treppe kam mir einer der Gäste entgegen, der gefragt hatte, was los sei. “Brauchst du Hilfe?”
Ich verneinte, weil ich überhaupt nicht wusste, was ich machen sollte – ob ich überhaupt was machen sollte. Ein bisschen konfus entschloss ich mich, dem hilfsbereiten Gast und seinem Kumpel zwei Freischnäpse zu bringen und hatte gerade entschieden, dass ich Leni mal anrufen würde, als der Typ auch schon wieder kam. Er war nur ein paar Minuten weg gewesen.

Mein vernünftiger Persönlichkeitsanteil sagte mir, dass da überhaupt nichts passiert sein konnte – auch um drei Uhr nachts ist an einem Samstag die Stadt noch bevölkert, der Weg zum Bus zudem sehr gut ausgeleuchtet.
Ein irrationaler Teil von mir jedoch sah Leni zerstückelt in irgendeiner Gasse liegen.

Also doch ein Anruf, aber natürlich ging sie nicht ran. “Scheiße, ey…”
Ich legte auf, steckte das Telefon aber ein und ging zu den hilfsbereiten Jungs. Die hatten inzwischen die zwei Typen in ein Gespräch verwickelt. Ich funkelte das Arschloch an, aber bevor ich was sagen konnte, klingelte auch schon das Telefon.

Leni war dran und glücklicherweise weder tot noch zerstückelt. Halleluja. Stattdessen war sie sicher im Bus, bestätigte mir aber, dass der Typ ihr ernsthaft bis zur Bushaltestelle hinterher gelaufen war. Un-fucking-fassbar.
“Wow… dann schmeiß ich die jetzt raus,” teilte ich ihr mit. Leni unterstützte das mit vollen Herzen. Denn ernsthaft: Wir müssen uns so eine Scheiße nicht gefallen lassen. Viele scheinen der Meinung zu sein, Kellnerinnen seien Freiwild, aber wir müssen weder mit den Gästen flirten, noch uns von Typen massiv anbaggern lassen, denen wir schon gesagt haben, dass wir kein Interesse haben. Und ganz sicher nicht müssen wir es hinnehmen, nachts auf dem Heimweg verfolgt zu werden!!!

Ich ging also zurück zu den zwei Typen, die sich immer noch unterhielten, aber ich fiel ihnen rigoros ins Wort. “So, ich hab gerade mit meiner Kollegin telefoniert und die hat mir bestätigt, dass du ihr tatsächlich nachgelaufen bist. Sie hat schon vorher deutlich nein gesagt und auch ich habe dir gesagt, dass du sie in Ruhe lassen sollst. Das hast du nicht gemacht, also will ich, dass ihr geht. JETZT!”
Dem Kumpel des kleinen Belästigers fiel alles aus dem Gesicht. “What?!”
Ich wiederholte alles nochmal. Aber das interessierte ihn gar nicht. Beide nicht. Sie waren offensichtlich der Meinung, dass sowas eine ganz normale Art der Kontaktaufnahme darstellt und was die auserwählten Frauen dazu sagen, ist selbstverständlich egal. Daher war diese noch einigermaßen gesittete Aufforderung, den Laden zu verlassen, natürlich auch etwas, dem man nicht Folge leisten muss. “Ich bleibe hier! Ruf doch die Polizei!”

Well – GERNE!!!

Ich drehte mich auf dem Absatz um, ging zurück hinter die Theke und hatte schneller die 110 gewählt, als man “Notruf” sagen kann. Ich weiß auch nicht, warum alle immer glauben, ich hätte da eine großartige Hemmschwelle. Im privaten Bereich mag es so sein, dass die meisten Leute zögern, die Polizei zu rufen, aber wenn es Stress in der Kneipe gibt, habe ich keinerlei Probleme damit, sofort den Notruf zu verständigen. Dafür ist die Polizei nämlich verdammt noch mal da.

Während ich noch darauf wartete, durchgestellt zu werden, beobachtete ich das Geschehen im Schankraum. Die meisten Leute können die Fresse krass aufreißen, aber sobald sie sehen, dass ich es wirklich ernst meine und tatsächlich die Polizei rufe, rannten bisher alle weg. Diese Typen jedoch nicht, obwohl mir der eine direkt ins Gesicht sah und mich böse anfunkelte.

Ich blieb hinter der Theke, weil ich keinen Bock auf weitere Diskussionen hatte, und hoffte inständig, dass die Bullen noch rechtzeitig kamen, aber die Hoffnung war leider vergebens. Zwei Minuten, bevor zwei nette Polizisten auftauchten, entschlossen sich die Herren doch, eine andere Lokalität mit ihrer Anwesenheit zu beehren. Die Bullen zogen unverrichteter Dinge wieder ab.

Blieben noch meine hilfreichen Gäste, die leider gar nicht so hilfreich gewesen waren, als sie den Typen dringend nahe gelegt hatten, sich doch einfach zu verpissen, bevor sie RICHTIG Stress kriegen. Grmpf. Dafür ließ ich mich von ihnen bestätigen, dass die Typen wirklich verstanden hatten, was überhaupt mein Problem gewesen war. Ich musste nämlich Englisch mit ihnen reden und das klappt bei mir nicht mehr so gut, wenn ich sauer bin.

Ich kotzte mich dann noch ein bisschen über dieses blöde Arschloch von Belästiger aus. “Naja,” meinte der eine etwas defensiv, “das kann man ja eigentlich nicht wirklich Belästigung nennen…”
“Äh – DOCH! Wenn man jemanden mitten in der Nacht ungebeten nachläuft, dann ist das Belästigung!

Und das ist auch weiterhin meine Meinung. Keine Ahnung, ob das schon einen Straftatbestand erfüllt; das ist mir aber auch scheißegal. Der Punkt ist, dass man sowas einfach nicht macht. Man läuft nicht um drei Uhr nachts einer Frau hinterher, die schon mehrmals deutlich gemacht hat, dass sie kein Interesse hat. Man nimmt nicht billigend in Kauf, dass diese Person sich ängstigt, weil sie von einem Fremden verfolgt wird. Man lässt Leute, die keinen Bock auf einen haben, schlicht und ergreifend verdammt noch mal in Ruhe!

Und diese beiden Arschlöcher haben es tatsächlich geschafft, dass ich zum ersten Mal, seitdem ich kellnere, ein bisschen Schiss hatte, als ich schließlich gegen halb 5 allein war und aufräumen musste. Ich hatte ja in dieser Nacht nicht schon genug Stress gehabt, also warum sollte es zum Feierabend hin anders sein? *grmpf*

Ein Horrorabend Teil 2: eskalativer Höhepunkt (“Wir sind keine Zechpreller!”)

Posted in Kotzleute, Schichtalltag with tags , , , , on 22. April 2014 by Robin Urban

Es war gegen halb 3 und Leni war gerade vor die Theke umgezogen, als ich sah, wie eine Gruppe etwas älterer Menschen aufstand und seelenruhig Richtung Ausgang strebte.

Ich ließ sofort die Biergläser stehen, die ich gerade befüllt hatte und jumpte ihnen nach. “Ääääh, Entschuldigung, Sie haben noch nicht bezahlt!”

Schockierter Blick, dann kehrten die letzten beiden Gruppenmitglieder wieder um. Ich ging die Rechnung holen und unter wortreichen Entschuldigungen begann das große Gekrame in den Geldbeuteln.
Die Leute waren alle um die Fünfzig und deshalb glaubte ich ihnen, dass sie das nicht absichtlich gemacht haben. Einer von denen hatte nämlich schon vorher bezahlt, allerdings nur SEIN Bier, nicht die gesamte Rechnung, was die anderen jedoch angenommen hatten. Klare Fehlkommunikation, kein Aufstand notwendig.

Als die beiden sich jedoch noch darauf zu einigen versuchten, wer jetzt bezahlen darf, fiel mein Blick auf einen Tisch, an dem seit über vier Stunden eine kleine Gruppe mutmaßlicher Studenten gesessen und unglaublich viel gesoffen hatte – und dieser Tisch war L-E-E-R. Nicht mal mehr Jacken hingen da.

Alarmiert blickte ich mich um und erspähte den letzten Typen dieser Gruppe, der, mit seiner Jacke in der Hand, gerade in Begriff war, die Treppe hoch zu gehen. Sofort sprang ich ihm in die Quere. “Hallo?! Ihr habt noch nicht bezahlt!”
Triefäugig blinzelte er mich an. “Oh…” Sehr defensiv klang das.
“Ihr habt ne Rechnung von über 80 Euro hier liegen!”
“Oh… soviel Geld hab ich nicht dabei…”
Tja!!!
“Vielleicht gehst du mal draußen kucken, da müssten die anderen noch sein.”
Ich fixierte ihn scharf. Sicher, ich drehe mich um, damit er mich zur Seite schubsen und abhauen kann. Is klar!
“Gib mir bitte einen Ausweis und geh dann selbst deine Freunde suchen.”
“Aber… ich bin schon über 18!”
“Äääähm, nee, weiß ich, ich brauche ein Pfand!”
In Zeitlupe begann er, in seinem Geldbeutel zu suchen und förderte seinen Perso zutage, den ich sogleich fest an mich nahm. In diesem Moment kehrte einer seiner Freunde zurück, der mich irritiert ansah und dann zu seinem Kumpel gewandt meinte: “Ich hab die anderen mal zurück gerufen.”
Ja, weil eure beschissene Zechprellerei leider nicht geklappt hat, ne?! dachte ich gehässig.
“Krieg ich meinen Perso wieder?” fragte Herr “Wäre ich nur etwas schneller gewesen”, der offensichtlich glaubte, damit wäre schon alles erledigt.
“Den kriegst du, wenn ihr bezahlt habt,” erwiderte ich und ging bei der anderen Gruppe fertig abkassieren, die sich nochmal entschuldigte. Ich winkte ab. Das war ein offensichtliches Missverständnis gewesen – aber DAS?! Ich hätte brechen können!

Ich ging die Rechnung für die zweite Gruppe holen, die inzwischen wieder vollzählig angetreten war. “Wir würden gerne bezahlen,” bestürmte mich das einzige Mädel sofort, als ich an den Tisch trat.
“Ja, ich bitte darum!” erwiderte ich sarkastisch.

Alle setzten sich und auch ich ließ mich neben dem Typen nieder, den ich gerade noch erwischt hatte. “Krieg ich meinen Ausweis wieder?” fragte er nochmal.
Wenn ihr bezahlt habt. Zusammen oder getrennt?”
“Wie viel isses denn?” fragte ein anderer Typ.
“81,80.”
“Oh, doch nicht so viel!” Er lachte. Und spätestens da fing es an, richtig in mir zu kochen. Sie hätten auch gleich “Ja scheiße, dann hätte sich das Zechprellen ja gar nicht so sehr gelohnt wie wir dachten, höhö” sagen können. Überhaupt glaubte ich, eine extreme “Shit Happens”-Stimmung aufzufangen – dafür aber keinerlei Anflug eines schlechten Gewissens.

Sie begannen, Geld zusammen zu werfen, und die Art, wie sie es taten, zeigte mir erneut, dass das von ihnen alles irgendwie anders geplant gewesen war. Einer warf 30 Euro hin, der Typ, den ich erwischt hatte, gar nichts und nach einigen Diskussionen lieferte ein anderer schließlich einen Fuffi. Der letzte Zehner kam auch noch von irgendwo her, womit genug Geld auf dem Tisch lag.
Es folgte eine weitere gutgelaunte Diskussion darüber, wie viel Trinkgeld sie geben sollten, die aber irgendwann abglitt und ewig dauerte. Ich saß versteinert da, unser Portemonnaie umklammert, und wartete. Doch erst, als das Mädel mit einem angepissten “Jetzt macht schon endlich!” einsprang, nahm Herr “Ich bin leider das schwächste Glied der Gruppe” die Scheine und drückte sie mir in die Hand.
“Ach, dann mach mal… ja, mach 82,” meinte er mit gönnerhafter Stimme.

Und an dieser Stelle tat ich etwas, was ich noch nie gemacht habe: Ich wies das Trinkgeld zurück. Ich zählte das Wechselgeld genaustens ab, kramte auch den Perso hervor, knallte alles zusammen vor dem Typen auf den Tisch und fauchte, getragen von einer Welle aus urplötzlich in mir auflodernden Hass: “Auf deine zwanzig Cent scheiße ich. ASSIS!!!”

Mit diesen Worten sprang ich auf und ging zurück hinter die Theke, wo ich mit versteinerten Gesicht die Biere rettete, die ich davor angezapft hatte, und die inzwischen jeglichen Schaum verloren hatten. “Was war denn?” wollte Leni wissen. Auch der Rest der Theke, inzwischen bevölkert von einer Gruppe gutgelaunter Musiker, wirkte bei meinem Anblick konsterniert, denn ich kochte sichtlich.

Ich wollte es ihr gerade erzählen, als plötzlich zwei der Typen der gerade so mühevoll abkassierten Gruppe vor mir standen. “Hey, ich will mal reden!”
Ich sah ihn wild an. “Ah, was willst du denn ‘reden’?!”
“Was sollte das denn grade?”
“Was das sollte?! Ihr wollt mich bescheißen und dann krieg ich noch Sprüche gedrückt!! Ich glaub, es hackt!!”
“Ääääh! Wir wollten nicht bescheißen!”
“Ach nein?! Und warum geht ihr dann alle und lasst nicht mal eure Jacken da?!”
“Wir wären doch nochmal wieder gekommen!”
“Ach, und das weiß ich oder was?! Verarschen kann ich mich selber!!!”

Was dann folgte, waren weitere Rechtfertigungsversuche, untermalt von einem Gebrüll epischen Ausmaßes und einiger kreativ eingestreuter Schimpfwörter. Und leider, leider stammten sowohl Gebrüll als auch die Schimpfwörter von mir.

Es lässt sich nicht beschönigen: Ich bin komplett ausgerastet. Dieses Maß an Verarschung sowie die glatten Lügen (“Ich saß doch noch da!” kam z.B. von Herr “Ich wollte ja gar nicht abhauen, als du mich schon mit dem Fuß auf der Treppe erwischt hast”) haben bei mir alle Schleusen eingerissen. Und ich kann sehr… SEHR laut werden!

Mitten in die plötzlich eintretende tödliche Stille nach meiner Eskalation murmelte ein Typ an der Theke deutlich hörbar: “Ich glaube, ich bin verliebt.”

“Was soll denn das? So geht man nicht mit Gästen um!” antwortete der Typ, der “reden” wollte, auf meine Performance, und trug dabei einen empörten “How dare you!?”-Gesichtsausdruck zur Schau.
“Erzähl DU mir nicht, was man machen darf und was nicht! Eine 80 Euro Rechnung liegen lassen – da hätten meine Kollegin und ich heute umsonst gearbeitet!!”

Das war übrigens eine Lüge, allerdings, wie ich finde, eine verzeihliche. Wir müssen für Zechprellerei Gott sei Dank nicht gerade stehen, aber es gibt Läden, da wird das verlorene Geld vom Trinkgeld oder gar vom Lohn abgezogen. Wenn so etwas vorkommt, tue ich allerdings gerne so, als wäre dies auch bei uns Usus, weil ich hoffe, damit allen Menschen, die das mitkriegen, ein so schlechtes Gewissen zu machen, dass sie gar nicht erst auf die Idee kommen, das auch mal (oder noch mal) zu probieren.

“Wir sind jedes Wochenende hier und sind bisher IMMER wieder gekommen!”
“Glaub ich kaum – ich kenne euch nicht!!”
“WAS?!”
“Ja, meine Güte, ich kann mir nicht alle Gesichter merken und MAN LÄUFT TROTZDEM NICHT WEG OHNE ZU BEZAHLEN!!”

Es endete mit einem beleidigten “Wir kommen nie wieder!” was ich mit einem “Bitteschön – TSCHÜSS!!” kommentierte, dann waren die Typen weg. Ich drehte mich zurück zur Theke und wurde zehn Augenpaaren gewahr, die mich fassungslos anstarrten.

Was tut man da? Ich grinste ein bisschen irre, tat einen Knicks und sagte “Entschuldigung”.
“Krieg ich deine Telefonnummer?” fragte der Typ, der sich in mich verliebt hatte (höhö), aber ich ignorierte ihn. Ich war viel zu aufgewühlt und suchte nach Leni. Denn das war mal wieder typisch! Schon Kollegin Johannas erster Eindruck von mir war ein ähnlicher Auftritt gewesen… scheinbar bin ich dazu verdammt, neue Kolleginnen zu erschrecken!

Ich sah Leni nirgends, bis sie plötzlich vor mir stand. “Gott, das da grade tut mir so leid…”
“Ach, lass dich nicht ärgern,” erwiderte sie stoisch. Ja, ich glaube, das wird eine wundervolle Zusammenarbeit!

Und auch, wenn alle an der Theke mir ungefragt bestätigten, dass ich richtig gehandelt hatte, nagten den Rest des Abends Scham und Schuldgefühle an mir. Ist dieser “Kater” nach einem Wutanfall eigentlich normal? Ich werde davon immer depressiv und müde, selbst wenn ich dreimal Recht gehabt hatte. In diesem Fall war es besonders schlimm, weil ich mir durch den Auftritt des Typen am Schluss plötzlich nicht mehr sicher war, ob die WIRKLICH die Zeche prellen wollten. Auch wenn so viele Faktoren dafür sprachen:

- Die Tatsache, dass man, wenn man nur kurz raus geht, üblicherweise nicht alle Jacken mitnimmt
- Der Typ, den ich aufgehalten hatte, klang nicht so, als hätten sie noch vorgehabt, zu bezahlen
- Die Art, WIE sie bezahlten
- Die entnervte Art der einzigen Frau, die an diesem Abend keinen Alkohol getrunken hatte; es schien mir, als wolle sie das Kapitel “fehlgeschlagener Zechprellereiversuch” schnell abhaken
- Die Lüge darüber, dass noch jemand sitzen geblieben war

Und schlussendlich die Behauptung, sie wären jedes Wochenende da. Ich kann mir wirklich schlecht Gesichter merken, aber wären sie tatsächlich so häufig da, WÜSSTE ich das. Dazu der Umstand, dass sie Kölschkränze und klaren Schnaps getrunken haben. Wenige trinken Kölschkränze und NIEMAND trinkt klaren Schnaps. Wären sie häufig da und Gesetz dem Fall, dass sie ihren Lieblingsgetränken (wie die meisten Gäste) treu bleiben, würde ich sie definitiv kennen… weil das einfach ungewöhnlich ist.

Letztendlich haben jedoch zwei Dinge mein Gewissen halbwegs zur Ruhe gebracht:
Erstens der Umstand, dass, selbst WENN sie tatsächlich vorgehabt hätten, wieder zu kommen, es einfach jedem Gast trotzdem einleuchten muss, dass ich bei sowas nicht gelassen bleiben kann. Ich meine, was erwarten die? Dass ich ruhig zukucke, wie sie alle abhauen, und nur so bei mir denke “Och jo, die kommen bestimmt wieder”? Das man das nicht von mir verlangen kann, müsste doch wirklich jeder kapieren!
Und zweitens eine Äußerung von Kollegin Johanna, der ich den Fall Tags darauf wortreich schilderte, sie mir daraufhin eine genaue Beschreibung eines der Typen dieser Gruppe lieferte und meinte: “Die hatte ich auch mal da… die haben ein Bild geklaut, als sie gegangen sind.”

Da fällt einem doch nichts mehr ein -.-

Ich war also in einem tiefen Loch, als der Abend weiter ging, doch ich sollte danach nochmal all meine Wut mobilisieren, als ein paar Typen es tatsächlich schafften, dass wegen ihnen die Polizei kommen musste…

Fortsetzung folgt

Ein Horrorabend Teil 1 – musikalischer Anfang (Guns n’ fucking Roses)

Posted in Leute und Location, Schichtalltag, Thekengespräche with tags , , , , , , , , , , , on 21. April 2014 by Robin Urban

Eigentlich fing der Abend ganz gut an. Es war die erste Schicht mit der neuen Kollegin (Chef hat sich glücklicherweise entschlossen, die andere nicht einzustellen), die sich auch ganz gut machte. Die Leni ist hübsch, trägt Dreadlocks, was ich megacool finde (ich hab’s auch mal probiert, aber meine Haare wollten einfach nicht verfilzen – deshalb hab ich sie nach einem Monat wieder ausgekämmt und ja, das war genauso schmerzhaft und langwierig, wie es sich anhört), und nett. Ich schloss mich im Stillen dem Urteil meiner Kollegen an: Ich fand sie voll in Ordnung!

Ein wenig ins Schlingern brachte mich allerdings ihr T-Shirt. Es war ein W.A.S.P.-Bandshirt und sah mir verdächtig nach H&M aus. Bandshirts bei H&M finde ich ja zum Kotzen. Bandlogos sind kein modisches Accessoire, Herrgott! – aber bei Shirtmotiven bin ich eh so ein kleiner Nazi.
Ich konnte mir irgendwie nicht vorstellen, dass die Leni wirklich diese Band hörte oder auch nur kannte, wollte aber nicht fragen, als ca. eine Stunde nach Schichtantritt ausgerechnet W.A.S.P. lief, und das auch noch auf einer meiner CDs. Ich haderte mit mir, ob ich die Gelegenheit ergreifen sollte, und meinte schließlich betont arglos: “Magst du das Lied?”
Woraufhin sie zu strahlen begann und heftig nickte. Na kuck mal einer an! Sofort stieg sie in meiner Hochachtung. Nicht, weil ich die Band so mag, denn das tue ich nicht, sondern weil ich es immer cool finde, echte Rockfans kennen zu lernen. Es gibt einfach zu viele Menschen mit beschissenen Musikgeschmack auf der Welt.

Dieses kleine Intermezzo läutete einen Abend ein, der zumindest bis zu den kommenden Katastrophen ganz im Zeichen der Musik stehen sollte.

Es wurde dann doch noch etwas stressig, deswegen schüttelte ich bei dem Musikwunsch eines Typen, der an die Theke gekommen war, nur den Kopf. Ich habe es schon mehrmals erwähnt, aber um das nochmal klarzustellen: Seitdem ich vor über zweieinhalb Jahren in dem Laden angefangen habe, will Chef einen Computer anschaffen und tut es einfach nicht. Deshalb arbeiten wir immer noch mit CDs, was es zu einem riesigen Aufwand macht, wenn wir Musikwünsche erfüllen wollen, da Chef sich zusätzlich noch weigert, die CDs auf eine Weise zu sortieren, die ein schnelles Finden erleichtert – alphabetisch zum Beispiel. Stattdessen sind sie nach Genres sortiert, aber da er keine Ahnung hat, ist das ein bisschen undurchsichtig.

Ich erfülle also nur ungern Musikwünsche, vor allem nicht solche dieses Kerls. Der und seine Kumpels waren nämlich schon öfter da und ich wusste: Wenn man da mal anfängt, kommen sie nach jedem Lied gerannt! Das ist zeitaufwendig und nervt. Und wenn man sich nach dem 10. Song irgendwann weigert, keine Musikwünsche mehr zu erfüllen, kapieren sie nicht, warum das PLÖTZLICH ein Problem ist.

Außerdem ist er ein wirklich anstrengender Gast, der sich schon öfter krass daneben benommen hat, inklusive absichtlichen Kaputtmachen von Gläsern, Belästigen anderer Gäste und eine ganze Masse von dummen Sprüchen – da geht mein Wille, Extraservice zu bieten, wirklich gegen Null!

Trotzdem versuchten er und seine Kumpels es den ganzen Abend. Guns n’ Roses sollte es sein. Ich hasse Guns n’ Roses. Ich finde die Musik lahm, ich mag Axl Rose’ Stimme nicht und ihn als Menschen sowieso nicht. Als ich dann auch noch vor Jahren rausfand, dass sich die Band einige rassistische Ausfälle geleistet hat, was im Bereich Rock/Metal einfach überhaupt nichts zu suchen hat (auch sonst nirgends, aber ihr wisst, was ich meine), war es völlig vorbei. Ich spiele keine Guns n’ Roses-Alben, basta.
Aber für so eine Diskussion ist die Arbeit nicht der richtige Platz, also behauptete ich einfach, wir hätten kein Guns n’ Roses (das könnte sogar stimmen, weil ich nie danach gesucht habe). Das hinderte sie nicht daran, noch tausendmal nachzufragen. Alle Leute an der Theke grinsten und schüttelten nur den Kopf, wenn ich zum tausendundeinsten Mal sagte “Wir HABEN kein Guns n’ Roses!” und sie das einfach nicht kapieren wollten.

Mehrere Mitglieder dieser sehr betrunkenen, sehr anstrengenden Gruppe schienen davon persönlich beleidigt zu sein. Aber was soll man machen?
Einer stellte sich zu zwei anderen Typen an der Bar dazu und fing an, über mich ein bisschen zu lästern. Die Tatsache, dass gerade Rise Against lief und ich außerdem an dem Abend ein Rise Against-Shirt trug, musste doch genüsslich ausgeschlachtet werden.
“Ne Rockkneipe soll das sein und dann läuft Rise Against. Kiddie-Scheiße… einfach nur Kindermusik…” Dabei grinste er mich herausfordernd an. Die anderen Gäste warteten atemlos auf meine Reaktion.
Ich grinste zurück und sagte heiter: “Wenigstens sind die Jungs nicht solche Arschlöcher wie Axl Rose.”
Dem Typen fiel fast alles aus dem Gesicht und bei diesem Anblick platzten die anderen Gäste an der Theke fast vor Lachen. “Also… du magst Guns n’ Roses nicht?”
“Nee. Ich halte sie für überschätzt. Und, naja, die Musik ist so lahm, so, du weißt schon… irgendwie alt.”
Die anderen Gäste grinsten noch mehr, aber nachdem die Diskussion noch eine Weile ähnlich amüsant weiter gegangen war, erbarmte ich mich und legte etwas älteren Power Metal ein. Der Kerl trug eine Kutte, die mir deutlich zeigte, dass ich damit ebenfalls seinen Geschmack traf, auch wenn es halt nicht Guns n’ Roses war. Bin ich nicht nett? :D

Schließlich kam der Typ vom Anfang irgendwann bezahlen und legte mir für seine 15 Euro Rechnung einen Zwanziger hin. “Stimmt so,” sagte er, schenkte mir einen tödlichen Blick und verschwand.
“Ich glaube, der wollte mir jetzt ne Lektion erteilen,” sagte ich zu Leni, während ich 5 Euro in unser Trinkgeldfach stopfte. Naja, solche Lektionen hab ich gerne!

Hätten wir nur die Gelegenheit genutzt, auch bei seinen Freunden abzukassieren – denn am Ende ließen die Typen uns auf einer Rechnung von 40 Euro sitzen. Und das war, wenn ich mich recht erinnere, auch nicht das erste Mal, weil die Kerle einfach öfter viel zu besoffen sind, um das noch hinzukriegen.

Leider ist mir das erst im Nachhinein eingefallen, deshalb legte ich die Rechnung grummelnd zur Seite und werde nun darauf warten, dass sie irgendwann wieder auftauchen. 40 Euro ist ne Menge Holz :/

Und wenn ihr jetzt denkt: “Ok, Zechpreller sind scheiße, aber irgendwie hab ich nach der Ankündigung im letzten Beitrag was krasseres erwartet” – dies war ja nur der Anfang. Die Schicht ging wesentlich schlimmer weiter…

Fortsetzung folgt

Ein Horrorabend

Posted in Ich hasse meinen Job, Kotzleute, Schichtalltag with tags , , on 20. April 2014 by Robin Urban

Ich habe heute einen seltsamen Typen gefragt, was er trinken will, der daraufhin ein Bier bestellte und stoisch begann, in der Nase zu bohren, während er mir direkt in die Augen sah.

Und das ist leider NICHT das Krasseste, was mir heute Nacht passiert ist…

Fortsetzung folgt

Eine Geschichte zum Tanzverbot

Posted in Best of Chef, Ich hasse meinen Job with tags , , , , , , , , on 18. April 2014 by Robin Urban

Okay, eigentlich ist das nur wieder ne Geschichte über Chefs galoppierende Blödheit. Aber man muss ja auch mal was bieten, was zu der Jahreszeit passt.

Es war der Karsamstag vor zwei Jahren und ich hatte drei Typen an der Theke sitzen. Mit der Zeit lernt man, seine Gäste ein wenig einzuschätzen, also war mir spätestens bei der ersten Schnapsrunde klar, was für Menschen ich da vor mir hatte. Alle ca. Anfang Vierzig, vermutlich voll im Berufsleben stehend, Frau, vielleicht Kinder, ein geordnetes, erfolgreiches Leben, das der “Jedes Wochenende in Kneipen rumgammeln”-Phase entwachsen war. Doch HEUTE war ein Abend, an dem man die besten Kumpels zusammen getrommelt hat und einen draufmacht, wie vielleicht nur noch ein oder zweimal im Jahr, dafür aber richtig.

Mit anderen Worten: Die Jungs waren die idealen Gäste und eine Goldgrube sowohl für Wirt und Kellnerin. Gestandene Männer, die viel vertragen, dabei aber gesittet bleiben und finanziell abgesichert sind, was schlicht heißt, dass sie anders als viele andere Gäste nicht darauf achten müssen, wie viel sie an diesem Abend ausgeben. Da klingelt die Kasse!

Freundlich waren sie auch, also wollte ich gerne behilflich sein, als sie nach einer Weile höflich einen Musikwunsch äußerten und gleichzeitig fragten, ob ich ein wenig lauter drehen könnte. Metallica sollte es sein.
Noch bevor sie zu Ende geredet hatten, schüttelte Chef heftig mit dem Kopf. Der war bereits abgefüllt bis Oberkante Unterlippe und saß wie ein missmutiger Hefekloß vor der Bar neben den drei Herren. “Tanzverbot!”

Ja, das war ein Problem. Chef hatte mir zuvor eingeschärft, bis Mitternacht Zimmerlautstärke einzuhalten, weil das halt so im beschissenen Gesetz steht. Das teilte ich den Gästen bedauernd mit, stellte aber in Aussicht, ihren Musikwunsch zu erfüllen, sobald ich kann. Ich konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie sich Chefs Nüstern blähten.

Da war es ca. viertel vor 12. Zwanzig Minuten später fragte mich einer der Jungs nochmal. Mit Blick auf die Uhr legte ich das Black Album ein und drehte die Musik auf – immer noch ziemlich leise im Vergleich zu sonst, aber es war wenig los und deshalb musste es nicht so laut sein.

Als ich mich umdrehte, lächelten die Gäste mich an und ich lächelte zurück, bis mein Blick auf Chef fiel, dessen Gesicht sich radikal verdüstert hatte. Er winkte mich zu sich. “Was soll denn das?”
“Wie, ‘was soll denn das’?”
“Ich habe dir doch gesagt, dass wir heute leise sein müssen!”
“Äh, ja… bis zwölf, hast du gesagt. Jetzt ist nach zwölf.”
“Für Metallica ist es zu früh!”

Das ist sein ständiger Kritikpunkt an meiner Musik: Angeblich “passen” Metal und andere Sachen, die ich gerne einlege, erst zu später Stunde. Wann das genau ist, sagt er allerdings nie. Vermutlich so gegen 6 Uhr morgens, wenn keiner mehr da ist. Die “frühen” Stammgäste würden das nämlich nicht hören wollen.
Tja, nur GIBT es diese frühen Stammgäste nicht mehr. Als ich in dem Laden anfing, war die Theke von 20 bis mindestens 1 Uhr voll von Stammgästen, die allesamt etwas älter und etwas gediegener in ihrem Musikgeschmack sind. Diese Stammgäste kommen nicht mehr, weil sie von Chefs Bullshit so angekotzt sind. Also sehe ich nicht ein, Musik für Menschen zu spielen, die überhaupt nicht da sind. Stattdessen sehe ich mir das Publikum an und entscheide im Rahmen dessen, was in unserer auf Rock und Artverwandtes ausgerichteten Kneipe tolerierbar ist, was für eine CD ich einlege. Sind tatsächlich eher ältere Leute da, spiele ich softes Zeug wie Aerosmith, Bon Jovi und sowas. Ist der Schankraum voll von langhaarigen Rockern, dann spiele ich Heavy/Speed Metal, auch wenn es erst 20 Uhr ist. Sind es jüngere Metaller, gibt’s halt Nu Rock und Nu Metal. Besteht das Publikum hauptsächlich aus Studenten, lege ich gutgelaunten Alternative und Poppunk ein, weil das für eine Gruppe, die so heterogen ist, ein fairer Kompromiss ist. Und wenn ich keinen Bock mehr habe und will, dass die Leute gehen, spiele ich System of a Down (was leider schon öfter nach hinten losgegangen ist).

Ich habe Mixtapes zu jeder möglichen Richtung zusammen gestellt (und dafür nie ein Danke bekommen – aber ach). Ich glaube zu wissen, was ich wann spielen kann, ohne die Gäste zu nerven. Und wenn so wie an diesem Karsamstag wenig los ist, ist Metallica voll vertretbar, erst Recht um diese Uhrzeit und erst Recht, wenn es gewünscht wurde. Chef hat aber unbedingt darauf bestanden, eine Rockkneipe aufzumachen, obwohl er Rock gar nicht mag, und das ist nicht mein verdammtes Problem.

Ich versuchte ihm also in höflicher Form zu sagen, dass er sich mal wieder wie ein kleines Prinzesschen auf der Erbse aufführt und irrational ist, aber seine Miene wurde nur noch missmutiger. “Wenn das Ordungsamt kommt, kannst du ja die 2000 Euro Strafe bezahlen,” grummelte er. Obwohl es, wie gesagt, schon nach Mitternacht war. Aber wer versucht bei ihm schon nach Logik zu suchen?

Die Gäste hatten das Gespräch teilweise mitbekommen. Ich sah drei konsterniert wirkende Menschen vor mir. Ich schenkte ihnen mein strahlendstes Lächeln, mir nur allzu bewusst, dass dies Chef noch mehr auf die Palme bringen würde, aber das war mir egal, weil mich diese ganze Diskussion schon wieder unglaublich genervt hatte. Sein wahres Problem war nämlich, dass sich diese Menschen erdreistet hatten, sich an seine heilige Theke zu setzen, die er für Stammgäste reserviert, die, wie gesagt, nicht mehr kommen, und er erwartet von allen Menschen auf der Welt, dass sie das wissen und sich deshalb ungefragt im Schankraum niederlassen.

Wie gesagt, versucht gar nicht erst, nach Logik zu suchen…

Meine stumme Weigerung, sowohl die Musik wieder runterzudrehen, als auch ne andere CD einzulegen, hatte in ihm die Gewissheit wachsen lassen, wie UNVERSCHÄMT diese Leute waren, weil sie an seiner Theke saßen, also machte er sie dumm von der Seite an. Die Männer reagierten mit Stirnrunzeln, ließen sich aber nicht auf ein Gespräch ein (und ich bewunderte sie im Stillen für ihre Genügsamkeit.).
So abgewiesen grummelte Chef in sich hinein, bis die Jungs eine neue Runde Bier orderten. Wieder ein Wink. “Mach denen nichts mehr.”
Ich starrte ihn an. “Warum?!”
Antwort war ein unbestimmtes Armfuchteln. Chefs Kommunikation läuft nach dem 30. Schnaps nicht mehr so gut.

Ich werde den Teufel tun und diese netten Leute rausschmeißen! dachte ich und zapfte stur weiter. Chef sah sein letztes Quäntchen Autorität schwinden, als ich die Biere resolut vor den Typen abstellte, die überhaupt nicht mehr checkten, was da eigentlich abging. Aber da von meiner Seite aus keine Hilfe zu erwarten war, wandte er sich erneut den Gästen zu – und schaffte es tatsächlich, sie so zu nerven, dass sie kopfschüttelnd die Rechnung verlangten.

Ich stand da und war einfach nur megasauer. Schmeißt dieser Vollidiot einfach friedliche, lukrative Gäste raus! Da kommt einem doch das Kotzen!!!

Ich schenkte Chef ebenfalls ein Kopfschütteln, dann rechnete ich aus, was die Jungs zu bezahlen hatten. Jeder hatte eine Rechnung von ca. 10 Euro, aber ich wette, dass die Gesamtrechnung am Schluss auf fast 100 Euro belaufen hätte. Die Jungs wollten einfach nur friedlich saufen und Spaß haben, und dieser Wichser kickt sie raus!!!

Ich gebe zu, mich nervte das besonders im Hinblick auf mein erhofftes Trinkgeld, das ja nun wesentlich niedriger ausfallen musste. Doch dann geschah ein Osterwunder: Jeder einzelne dieser Typen gab mir 3-4 Euro Trinkgeld, viel zu viel für die kleine Rechnung. Dabei sahen sie Chef angewidert an und als sie aufstanden, sagte einer zu mir: “Du tust mir echt leid.”

Ja, ich tat mir auch leid. Als sie gegangen waren, sah ich Chef wild an. “Chef – WIESO!?”
“Solche Leute passen hier nicht rein,” grummelte er und wollte das noch ausführen, aber ich ging mir kopfschüttelnd und wutschnaubend eine andere Beschäftigung suchen.

Und dies, liebe Kinder, war Teil 87 der Lektion “How to ruin your own business” -.-

Ein Kurzer

Posted in Best of Chef with tags , , , on 17. April 2014 by Robin Urban

30 Neuankömmlinge, ich im Megastress, während Chef wie üblich nur im Weg rumsteht.

Ich: “Ich geh mal eben Kirschlikör holen.”

Chef: “Wieso?”

Ich: “Weil er leer ist?!”

Chef: “Ach so.”

OMG

Posted in Best of Chef with tags , , on 3. April 2014 by Robin Urban

Meine letzte Schicht, bis die Examensarbeit abgegeben werden muss. Eine furchtbare Ersti-Kneipentour-Schicht, die niemand sonst übernehmen wollte. Glücklicherweise war ich nur das +1, Kollegin Johanna macht Feierabend. Aber gerade, als ich gehen wollte, ließ Chef DAS fliegen:

Ich stand schon da in Jacke, als ein Thekengast aufstand und sich ebenfalls anzog. Er ist NETT, aber furchtbar, furchtbar nervig. Also blieb ich noch gut zwei Minuten hinter der Theke stehen, damit ich nicht mit ihm zusammen gehen und mir ein Gespräch aufzwingen lassen muss.
Weil Chef seltsam kuckte, weil ich mich nicht vom Fleck bewegte ohne offensichtlichen Grund, teilte ich es ihm mit. “Ich wollte jetzt nicht grade mit dem raus… er ist ja in Ordnung, aber naja…”
Woraufhin er, voll wie zehn Russen und den ganzen Abend schon auf Krawall gebürstet, lallte: “Ja, der Lutz… der hätte dich jetzt von der Steinzeit… in die Neuzeit gefickt oder wie.”

Ich erstarrte. Johanna erstarrte. Die halbe Theke erstarrte. Und leider, leider, bin ich dann einfach gegangen, ohne eine passende Antwort zu geben. Weil ich immer noch nicht die geringste Ahnung habe, was eine passende Antwort wäre.

Ich schwöre, er hat das wirklich gesagt. Und offensichtlich glaubte er in seinem versoffenen Hirn, das wäre auf irgendeiner Ebene witzig.

OMG, Leute. OMG.

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