Ich habe…

Posted in Persönliches with tags , , on 27. Juli 2014 by Robin

… meinen Job gekündigt.

Es hat ja immer wieder zwischen den Zeilen durchgeschimmert, aber in Echt war es leider nicht zu übersehen: Mein Chef und ich, wir hatten nicht das beste Verhältnis. Ganz im Gegenteil. Und nach drei Jahren musste dieses Kapitel einfach auch mal beendet sein, auch wenn es mir verdammt schwer fiel.

Ich habe, trotz allem, immer sehr gerne gekellnert, und mochte den Laden auch wirklich, aber es ging einfach nicht mehr. Also habe ich die Gelegenheit genutzt und den Deckel zugemacht.

Die Gelegenheit… das ist meine diesjährige Sommeraktivität. Die auch schon meine letztjährige (und vorletztjährige) Sommeraktivität war: Ich gehe den Jakobsweg. Scheinbar brauche ich das wirklich, um den Rest des Jahres zu überstehen. Und dieses Mal habt ihr die Gelegenheit, mich zumindest virtuell zu begleiten – in meinem neuen Jakobsweg-Blog.

Was danach ist, weiß ich noch nicht. Ich werde mir wohl einen neuen Job suchen. Ob ich dann wieder hinter einer Theke lande, steht in den Sternen. Und wie es mit diesem Blog hier weitergeht, weiß ich auch noch nicht genau. Nicht nur in der letzten Zeit, in der ich nicht zum Bloggen gekommen bin, sind wieder viele Dinge passiert, die einen Beitrag verdient hätten – aber jetzt geh ich erst mal in die Sommerpause. Und ich würde mich total freuen, wenn ihr mir auch auf meinem neuen Blog treu bleiben würdet. Das Thema mag für viele nicht so rasend interessant sein, aber auch wenn mein FAQ, das ich gerade aufbaue, nicht so spannend ist, hoffe ich trotzdem, dass meine Geschichten vom Weg euch unterhalten werden.

Wann geht es eigentlich los? Ach ja – MORGEN. Also beeilt euch und folgt dem Blog, um mitzuerleben, wie ich mich trampenderweise (!) durch ganz Frankreich schlage, bis ich dann am Ziel angekommen schlappe 900 km zu Fuß gehen werde ;)

Falls ihr euch fragt, ob ich beim Finale arbeiten musste…

Posted in Ich hasse meinen Job with tags , , on 15. Juli 2014 by Robin

… dann lautet meine Antwort: Leider ja.

WM-Schicht: Ich wünsche mir…

Posted in Schichtalltag with tags , , , , , , , on 26. Juni 2014 by Robin

Lieber Gott des Fußballs, der Kellnerinnen und überhaupt allem,

das dritte Gruppenspiel Deutschlands steht kurz bevor und ich habe Angst, denn ich bin ganz alleine. Könntest du es hinbiegen, den Abend folgendermaßen verlaufen zu lassen?

Ich muss um 17 Uhr anfangen. Lass mir bitte fünf Minuten, damit ich die Lichter anmachen kann und so.
Von 17:05 bis 17:30 Uhr sollen Gruppen kommen, die das Spiel sehen wollen. Immer so im Fünf-Minuten-Takt. Sie sollen große Bier, Colabier oder Radler bestellen. Keine Flaschen – ich hab keine Lust, später so viel Leergut aufzufüllen. Es sollen bitte so viele Gruppen sein, dass die Tische voll sind, aber nicht mehr. Gerne dürfen ein paar Leute dabei sein, die ich kenne und mag.
Um 17:35 Uhr hätte ich gerne Zeit, eine zu rauchen. Um 17:45 Uhr sollen bitte alle ihre zweite Runde bestellen. Zusammen, wohlgemerkt, damit ich nicht so oft rennen muss.

Es sollen bitte keine Leute an der Theke sitzen, damit ich mich für das Spiel in den Schankraum setzen kann. Die Gäste sollen mich während des Spiels bitte nicht so übermäßig beanspruchen. Bis zu zwei Runden pro Halbzeit sind okay, während der Halbzeitpause darf auch jeder noch was bestellen. Fällt ein Tor, ist eine Schnapsrunde in Ordnung, nur sollen bitte alle den selben Schnaps trinken, damit ich nicht mit 10 Flaschen gleichzeitig hantieren muss.

Die Leute sollen sich bitte folgendermaßen bei Toren verhalten:
Wenn ich sitze – frenetischer Jubel.
Wenn ich gerade ein Tablett trage – höflicher Applaus. Ich mag es nicht so, wenn mir alle Gläser um die Ohren fliegen, weil die Leute mich anrempeln.

Das Spiel soll bitte spannend sein, damit die Leute sich gut unterhalten fühlen. Gewinnen soll bitte Deutschland, weil die Leute mehr Trinkgeld geben, wenn ihre Mannschaft gewinnt. Sollte ich allerdings mehr Amis als Deutsche da haben, soll die USA gewinnen, damit die zufrieden sind und noch mehr Trinkgeld geben als ohnehin schon. Deutschland soll aber natürlich trotzdem ins Achtelfinale. Zweiter Platz in der Gruppenphase finde ich okay.

Nach dem Spiel sollen alle bezahlen und gehen. Nacheinander, nicht alle zusammen. An jedem Tisch soll jeder bitte für sich selbst bezahlen, weil es nicht so viel Trinkgeld gibt, wenn einer alles übernimmt.

Um 20:15 soll das beendet sein. Danach hätte ich gerne Zeit für ne Zigarette und zum Aufräumen.

Um 20:30 darf sich der Laden wieder füllen. Schön nacheinander. Eine Stunde können die was trinken und sollen dann wieder gehen.

Zu den Spielen der Gruppe H um 22 Uhr sollen eine halbe Stunde vorher viele Fans der Mannschaften kommen. Am besten ausländische Touristen, weil ich bei denen die Musik anlassen kann, weil die den Kommentar ja sowieso nicht verstehen. Gewinnen sollen die Mannschaften, zu denen mehr Fans da sind. Wegen Trinkgeld und so.

Um 00:15 Uhr sollen die dann auch alle bezahlt haben und weg sein. Danach wieder wie gehabt: Eine rauchen, dann soll sich der Laden nochmal füllen.

Ich muss, weil Donnerstag ist, bis 3 Uhr auflassen, aber da ich ja schon um 17 Uhr aufgemacht habe, will ich auch gar nicht länger bleiben, weil das ja schon 10 Stunden sind. Ab halb zwei sollen daher alle langsam gehen. Um 2 Uhr will ich allein sein, damit ich in Ruhe aufräumen kann.

Alternativ können auch noch ein paar richtig coole Leute kommen, aber nur so viel, wie an die Theke passen. Der Rest soll weg gehen. Dann kann ich unten aufräumen, während die oben trinken. Und wenn ich fertig bin, könnte ich mit denen mittrinken, wenn sie mir was ausgeben. Das wäre cool. Dann wäre es auch in Ordnung, wenn die bis 5 Uhr bleiben, sofern sie halt genug trinken und mich genug mittrinken lassen.

Stammgäste, die für sich immer Sonderrechte einfordern, alle zwei Minuten ein kleines Bier bestellen und tierisch nerven, sollen heute bitte zuhause bleiben. Und Chef soll bitte auch so schnell wie möglich weg.

Kriegst du das hin, Gott? Treffen diese kleinen Wünsche auf dein Wohlgefallen? Wenn ja, dann lass es so geschehen und gib mir jetzt sofort bitte überhaupt kein Zeichen.

Okay? Hm?

Cool.

Zechpreller, WM-Edition

Posted in Ich hasse meinen Job, Kotzleute with tags , , , , , , , on 25. Juni 2014 by Robin

Nach dem 2. Gruppenspiel von Deutschland: Sieben Typen kamen rein, gröhlend, schon besoffen, meganervig.

Leni und ich lächelten verzerrt und bedienten die Kerle gefasst.

Alle bestellten ein Bier und lungerten dann vor der Theke rum, wo sie zwei Freundinnen von Leni anmachten, die mit versteinerten Gesicht inmitten dieser Horde saßen, und immer wieder in Sprechchöre zu Ehren von Thomas Müller verfielen.

Eine runde Schnaps wurde auch noch geordert und direkt bezahlt. Blieben die sieben Biere.

Irgendwann merkte ich, dass sich der Schwerpunkt der Gruppe langsam von der Theke in den Schankraum verlagerte, was irgendwie nach Aufbruch aussah, woraufhin ich es für angebracht hielt, die guten Herren freundlich darauf hinzuweisen, dass sie noch ihre beschissene Rechnung bezahlen müssen.

Ich ging nach unten und tippte einen an. “Entschuldigung, ihr müsst noch bezahlen!”
Der Typ starrte triefäugig auf mich herab. “Da sitzen doch noch welche von uns oben!”

Ich ging schnell kucken und musste sehen, dass das nicht stimmte. Inzwischen lungerte die Hälfte der Gruppe unten rum. Die andere Hälfte war bereits gegangen.

Ich gab Leni noch eine Bestellung auf, die mir zugerufen worden war, dann schnappte ich unser Portemonnaie und jumpte wieder nach unten. Dieses Mal werde ich so lange nerven, bis sie bezahlen, dachte ich mir.

Ich sprach erneut einen dieser Typen an, der gab ne vage Antwort. Dann ging er zu seinen zwei verbliebenen Kumpels und steckte mit ihnen die Köpfe zusammen. Nach kurzer Tuschelei löste sich einer aus der Gruppe und schlenderte betont lässig zur Dartscheibe, um beim Spiel zuzusehen. Meine Augenbrauen flogen hoch.

Ich konnte sehen, dass Leni die Getränke, die ich ihr aufgetragen hatte, schon fertig hatte und auf mein Tablett stellte, damit ich es runterbringe. Ich rief ihr zu, es bitte gerade selbst zu machen.
“Die wollen abhauen,” murmelte ich ihr zu, als sie runter kam. “Ich bleibe mal eben hier…”

Denn es war wirklich unübersehbar: Diese Vollidioten versuchten gerade, mich irgendwie auszuspielen. Was nicht ganz so einfach war, denn ich stand ziemlich genau vorm Ausgang. Aber: Ich blockierte nur EINEN Gang. In der Mitte unseres Schankraums steht nämlich ein großer Tisch. Der direkte Weg von dort zum Ausgang führt rechts vorbei. Dort stand ich wie ein Fels. Natürlich kann man sich aber auch links vorbei quetschen und praktisch hinter meinem Rücken zum Ausgang huschen!

Genau das hatte der Assi, der so wahnsinnig interessiert an dem Dartspiel war, just in dem Moment gemacht, als ich mit Leni redete und abgelenkt war. Ich ärgerte mich, aber damit hatte ich die endgültige Bestätigung, es wirklich mit Zechprellern zu tun zu haben.

Blieben noch zwei. Die steckten wieder die Köpfe zusammen. Einer sah hoch und taxierte mich. Ich tat bewusst unschuldig und sah in die andere Richtung. Aus den Augenwinkeln hatte ich aber weiterhin beide fest im Blick.

Und dann – Scherentaktik oder sowas in der Art. Beide versuchten gleichzeitig, an mir vorbei zum Ausgang zu kommen – der eine über die linke Flanke, der andere über die rechte.

Ich entschied, mich dem linken in den Weg zu werfen, der sich gerade betont unauffällig am Tisch in der Mitte vorbei schlängelte. Bevor er aus der Tür schlüpfen konnte, sprang ich ihn an. “Hey! Bezahlen!!!”

Intelligenter wäre es natürlich gewesen, mich einfach vor die TÜR zu werfen, denn eben diese Lücke, die ich nun hatte entstehen lassen, nutzte der andere Kerl und rannte an mir vorbei. Ich wirbelte herum und bekam gerade noch sein Oberteil zu packen, doch das riss mit einem lauten Ratsch und er war weg.

Diese kurze Unaufmerksamkeit hätte der andere Typ nutzen können, um mich zur Seite zu stoßen und ebenfalls abzuhauen – tat es aber nicht. Das wäre vermutlich auch nicht ohne Blessuren von sich gegangen… und DANN wäre ich RICHTIG sauer geworden.

Für diesen Wicht reichte nun aber auch mein normaler Wutpegel. “Ich glaub, es hackt!?”
“Was denn!?”
“Äääh, ihr habt noch 21 Euro offen!! Bezahl das!!”
“Was?! Ich bin doch gerade erst gekommen! Ich hab mit denen nix zu tun!”
Da werd ich doch…! “Willst du mich VERARSCHEN!? Du hast doch gerade mit dem geredet!!”
“Ja – nur geredet! Ich kenne die gar nicht!”

Ist das zu fassen?!

“Alter, für wie blöd hältst du mich eigentlich!? Du bezahlst jetzt sofort eure Rechnung!”
“Tze… nee! Ich bezahl nix!”
“Tja, dann muss ich wohl die Polizei rufen?!”
“Mach doch!”
“Alles klar!” Ich sah Leni an, die hinter der Theke stand und dem Treiben verschreckt zusah und schnipste einmal herrisch. “Leni!! Telefon!!” (Für diesen Kasernenton habe ich mich später entschuldigt ^^)

Die aufgesetzt empörte Fassade des Kerls bröckelte, als Leni mit dem gewünschten Gerät herbei geeilt kam. “Worum geht es eigentlich? Was soll ich bezahlen?”
In diesem Moment kam der Typ, den ich nicht mehr hatte erwischen können, mit seinem noch halbvollen Bier die Treppe wieder runter und kuckte vorsichtig um die Ecke. “Die Biere, die ihr noch in der Hand haltet!” antwortete Leni gewitzt.

Die Vollidioten strecken die Waffen. Zusammen mit einem seiner Kumpel warf der Typ auf der Treppe genügend Geld zusammen und übergab es mir, die ich immer noch den Ausgang blockierte, verschreckt. “Danke – TSCHÜSS!!”

Damit kehrten Leni und ich hinter die Theke zurück, wo ich mir unter dem bewundernden Blick von Leni einen Whisky machte. Ich zitterte wie Espenlaub. Scheiß Adrenalin!

Erst ein paar Minuten später merkte ich, als die Aufregung langsam nach ließ, dass ich mir tatsächlich die Hand verletzt hatte, als ich versucht hatte, diesen davon rennenden Typen noch zu schnappen und nur sein Oberteil erwischte.

Das Oberteil ziert jetzt übrigens ein breiter Riss, den man unmöglich nähen kann.

Um drei beschissene Euro für sein Bier zu sparen, hat dieser Wichser sich von mir sein aktuelles Original-WM-Trikot kaputt reißen lassen, das fast 80 Euro gekostet hat.

Gestern Abend, in einer Bar in Texas…

Posted in Thekengespräche with tags , , , , , , , , on 8. Juni 2014 by Robin

Soldat an der Theke, frisch zurück nach einem Jahr Stationierung in den USA und noch völlig erschlagen vom Kulturschock. Zumindest behauptete er das.

Jedenfalls hatte er Redebedarf. VIEL Redebedarf. Und jeder einzige Satz fing mit “In den Staaten…” an. Was an sich nicht schlimm gewesen wäre, wäre es nicht schon halb 4 gewesen und hätte ich mich nicht danach gesehnt, mich zum ersten Mal seit fast 6 Stunden hinsetzen zu können. Naja, ich versuchte trotzdem, halbwegs interessiert zu wirken.

Irgendwann:
Er: “Schöne Kneipe habt ihr hier. Aber in Texas ginge das so nicht.”
Ich: “Wegen dem Rauchen, ne?”
Er: “Hm, auch, aber ich meine die Lage hier im Keller… also, wenn hier jemand runter kommt und Stress machen will… davon kriegt man oben ja gar nichts mit.”
Ich: “Hm, joah…”
Er: “Man könnte hier sonstwas anstellen. Niemand würde dich schreien hören.”
Ich: “Najaaa, wir haben hier schon unser Überwachungssystem…!”
In Wahrheit haben wir natürlich KEIN Überwachungssystem, nicht mal ne Kamera, aber ich fand, das müsse ich dem Typen nicht unbedingt auf die Nase binden.
Er schien den Bluff aber zu durchschauen. “Pfft…! Jetzt mal ehrlich: Wenn hier jemand runter kommt und WIRKLICH Stress machen will…!”
Ich: “Ich kann mich durchaus verteidigen.”
Er: “Vielleicht, aber… wenn der jetzt ne Knarre hat?!”

Ich: “…”
Er: “!”
Ich: “…”
Er: “!”
Ich: “Hast dich ein bisschen von der Ami-Paranoia anstecken lassen, was?”
Er riss die Augen auf. “Findest du? Warst du mal drüben?”
Ich: “Nee, aber das kriegt man ja mit…”
Er druckste rum, offensichtlich schwer getroffen. “Okay, aber was würdest du denn da machen?”
Ich: “Na… ich würde machen was er will und ihm geben, was er will, bis er geht…”
Er öffnete den Mund zu einer Erwiderung, aber ich ergänzte: “…und falls er mich wirklich umbringen will – das kann er auch auf der Straße, nech? So mit ner Knarre?”
Seine Augen wurden noch ein bisschen größer, dann starrte er verlegen in sein Bier. “Okay, das war jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben…”

Well, in der Tat. Wenn ich anfange, mir Gedanken darum zu machen, dass in meiner kleinen deutschen Kneipe jemand mit einer Knarre auftauchen könnte, dann kann ich auch gleich in den nächsten Bunker kriechen aus Angst, von einem Meteoriten getroffen zu werden…

Ich erfuhr außerdem, dass in Amerika der Jacky Cola ohne Eis, dafür aber mit nur einem ganz kleinen Schuss Cola getrunken wird. Interessant. Dafür, dass ein Liter-Becher dort als extraklein gilt, sind die verdammt geizig mit ihrer Limo.

murica

Know the difference!

Posted in Thekengespräche with tags , , , , , on 6. Juni 2014 by Robin

Ein Spanier an der Theke, der schon mehrmals da war. Netter Kerl, mit dem ich mich in einem Mischmasch aus Deutsch, Englisch und Spanisch unterhielt und der wie alle Spanier über meine paar Brocken seiner Muttersprache völlig in Verzückung geriet. Es war daher ein angenehmer Abend.

Sehr stolz war er auf seine Herkunft: Er sei “Zigeuner”. Deswegen sei er so ein Lebenskünstler.

Wie das aussieht, ein Lebenskünstler zu sein, breitete er dann sogleich einem jungen Typen an der Theke aus, der gebannt lauschte. Irgendwann fühlte ich mich jedoch gedrängt, was zu sagen. “Sabes que en Alemania no se dice “Zigeuner”?” (“Weißt du, dass man in Deutschland nicht “Zigeuner” sagt?” – glaub ich zumindest)
“Ah, warum? Racismo?”
“Ähm, sí, so ähnlich.”
“Wie sagt man?”
“‘Sinti und Roma’.”

Der Spanier machte eine wegwerfende Handbewegung. “Sí, sí…” Er kannte den Ausdruck sehr wohl, aber es interessierte ihn null. Dann schien ihm jedoch etwas einzufallen. “Wisst ihr, was ist der Unterschied zwischen Sinti und Roma?”

Woah, kalt erwischt. Darüber hab ich noch nie nachgedacht. Sowas wie verschiedene Volksgruppen? Ja, so ähnlich bestimmt…

Ich dachte noch drüber nach, ob ich das mit meinen paar Worten Spanisch irgendwie verständlich umschreiben konnte, als der junge Typ an der Theke, völlig eingeschüchtert von des Spaniers stechenden Blick, den Mund öffnete und stammelte: “Ääääh, also… Roma sind doch die Frauen und Sinti sind die Männer, gell?”

Und während dem Spanier sein Gesicht in sein Bier fiel, brach ich hinter der Theke fast zusammen vor lachen…

Eingesperrt

Posted in Kotzleute with tags , , , , , , on 4. Juni 2014 by Robin

Letzten Mittwoch verließ ich mit vollen Tüten den Supermarkt, weil ich für ein Festival vergangenes Wochenende eingekauft habe, als Chef anrief. Seufzend hob ich ab, erwartete ich doch irgendeiner völlig unnötigen Anrufe, die null Informationen bieten und die er nur tätigt, weil er sich offensichtlich mittags oft langweilt.

Tatsächlich hatte er ne ziemliche Bombe für mich.

“Gestern hat sich jemand einschließen lassen.”
“WAS?!?!”

Er breitete die Story aus. Dienstags hatte Ella gearbeitet, die nach vielen Monaten der Abstinenz wieder zu uns zurück gekommen ist, und hatte Zechpreller. Als sie diesen nachlief (und sie sogar erwischte!), ist wohl irgendein Typ in den Laden spaziert, hat sich seelenruhig aufs Klo gesetzt und gewartet. Unser Stammtisch, der dienstags immer da ist, war leider zu verpeilt, um ihr das zu sagen, als sie wieder kam.
Jedenfalls hat sie ca. um 5 Uhr den Laden dicht gemacht, sauber gemacht und ist gegangen. Morgens dann schloss unser Putzmann auf und war gerade am Wischen, als der besagte Typ aus dem Klo schlenderte und verschwand.

Leider ist unser Putzmann kognitiv etwas eingeschränkt. “Das ist so typisch Jupp!!” ereiferte sich Chef. “Lässt den Vogel einfach gehen und steht nur da und glotzt! Kommt natürlich nicht auf die Idee einzuschreiten! ‘Ich war überfordert!’ sagt der, als ich ihn fragte, warum er ihn nicht zurück gehalten hat!! Und weil er nicht mal eine Beschreibung liefern kann, brauch ich auch gar nicht erst zur Polizei zu gehen!”
“Hat der denn was mitgenommen?”
“Der hat auf dem Klo die halbe Flasche Jack Daniel’s gesoffen, die an der Theke stand, und fast das ganze Wechselgeld mitgenommen – 200 Euro!!”

ECHT bitter! Hätte aber schlimmer sein können. Ella ist die einzige von uns, die einen Safeschlüssel hat, weswegen sie den Abendumsatz sowie das Portemonnaie mit dem Wechselgeld, mit dem wir arbeiten, weggeschlossen hat. Das waren ca. 700 Euro.

Ella und der Jupp müssen für den Verlust jetzt aufkommen. Schlimm genug! Es sei ja ihre Schuld gewesen, dass sie die Toiletten nicht mehr kontrolliert hat, bevor sie ging, meint Chef. Und Jupps Schuld sei es, dass der Typ entkommen konnte. Also müssen sie den Diebstahl ersetzen!

Allein bei der Vorstellung läuft es mir ja kalt den Rücken runter. Ich bin da an sich ja ziemlich schmerzfrei und habe auf der Arbeit auch mitten in der Nacht keine Angst, aber ein Typ, der sich auf dem Klo versteckt, während ich allein die Theke wische und die Musik so laut aufgedreht habe, dass ich gar nichts höre…!
Besonders ekelhaft: Jede von uns Kellnerinnen schließt ab, während sie sauber macht. Nur ich nicht. Deswegen hat Chef mich schon mehrmals angeblökt. Warum lasse ich die Tür auf, wenn doch eigentlich schon Feierabend ist, so dass immer noch neue Gäste kommen können, auch aggressive Exemplare oder wenigstens solche, die sich nicht abwimmeln lassen?!
(Der wahre Grund ist, dass ich mehr Angst vor Geistern hab als vor echten Menschen, egal wie aggressiv. Aber das zu schreiben wäre ja idiotisch, weil ihr mich dann für total bescheuert hieltet. Ups…!)
Jetzt ist offensichtlich, warum eine offene Tür besser ist. Der Typ hätte ja sonstwas mit Ella anstellen können, statt nur was klauen zu wollen. Und sie hätte nicht mal flüchten können, weil sie selbst alle Fluchtwege abgesperrt hat. Mann, die Vorstellung allein! :/

Chef meinte, wir sollten nun jeden Abend die Toiletten kontrollieren, bevor wir gehen. Damit hatte sein Anruf doch einen Sinn (wobei er mir das natürlich auch abends hätte sagen können – ich war Mittwoch nämlich arbeiten). Ich bedankte mich und legte auf.

Aber ich frage mich immer noch: Wer kommt bitte auf so eine Idee? Der Typ konnte doch nicht wissen, dass unser Putzmann früher aufmacht. Der hätte über 12 Stunden in der Bar eingesperrt sein können!
“Und? Gibt ja genug essen und trinken,” meinte Kollegin Sophie schulterzuckend. Aber trotzdem! Ich meine… das ist doch voll gruselig! o.O

Jedenfalls haben wir nun einen neuen Feierabendauftrag – wobei ich echt dafür bete, dass niemand so eine Aktion bei MIR bringt…!

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