Ersti-Tour II.: Ihr Säcke.

Es ist unglaublich, wie scheiße Studenten sein können.

Hier einige Impressionen:
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Typ: “Da hinten das ist unser Tutor.”
Ich: “Ah, okay.”
Typ: “Wissen Sie, was das heißt?”
Ich: “Hä?”
Typ: “Also, Sie studieren auch, oder? Dann können Sie mit den Begriffen was anfangen?”
Watt? Für wie blöd hält der mich?!
Ich: “Äh… JA. Und Kommilitonen siezt man nicht, die 50er sind vorbei!”
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Ich: “Kriegt ihr” – drei Erstis – “noch was?”
ErstiTyp: “Ja, mir noch nen Rotwein.”
ErstiTussi1: “Ich nehm nen Weißwein!”
Ich: “Sekunde. Welchen Rotwein, Côtes du Rhône oder Merlot?”
ErstiTyp: “Äääh, den trockenen.”
Ich: “Die sind beide trocken.”
ErstiTyp: “Äh….”
ErstiTussi1: “Ich nehm den Weißwein!”
Ich: “Einen Moment, bitte.”
ErstiTussi1: “Und ein Bier!”
Ich: “Äh, welchen Weißwein, lieblich oder trocken?”
ErstiTussi1: “Oh!”
ErstiTyp: “Den Merlot!”
Ich: “Okay *notier*”
ErstiTussi1: “Den lieblichen!”
ErstiTyp: “Für mich auch noch ein großes Bier!”
Ich: “Moment, Moment…”
ErstiTussi2: “Ich krieg auch ein Bier, aber klein!”
Ich: “Moment!”
ErstiTussi1: “Nee, ich hab dir doch grad eins mitbestellt!”
ErstiTyp: “Nee, für mich doch lieber auch klein! Oder groß?”
ErstiTussi1: “Jedenfalls ein Weißwein und ein Bier!”
Ich: “So, jetzt bitte mal einer nach dem anderen! Also, für dich…?”
ErstiTyp: “Den Merlot und ein Bier.”
Ich: “Das Bier jetzt groß oder klein?”
ErstiTussi1: “Also mir ein…”
Ich: “Pscht!”
ErstiTyp: “Äh…”
ErstiTussi1: “Für mich…”
Ich: “Pscht!”
ErstiTyp: “Klein!”
Ich: “Okay, JETZT du?”
ErstiTussi1: “Den lieblichen Weißwein und ein kleines Bier!”
Ich: “Okay…”
ErstiTussi2: “Mir ein kleines Bier!”
Ich: “Ähm, war das jetzt das, was sie dir mitbestellt hat?”
ErstiTussi2: “Äh…”
ErstiTussi1: “Ich wollte…”
Ich: “PSCHT!!!”
Und beim Bezahlen lief es genauso ab.
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Ich, strahlend mit einem Tablett Frei-Shots ankommend: “Die gehen aufs Haus, herzlich Willkommen in…”
Typ *grapscht nach einem Shot*
Ich: “Äh, Gemach, lass mich doch mal abstellen.”
Typ1 *zieht die Hand zurück*
Typ2 *schnappt sich blitzschnell einen Shot, kippt ihn dabei halb um*
Ich (mit zusammenfallendem Enthusiasmus): “Ähm, das gilt auch für dich.”
Typ2: “Nee, für mich gilt das nicht!” *debiles Gelächter*

Später…

Ich, fassungslos auf zwei Shotgläser starrend, die UMGEDREHT auf den Tisch geknallt worden waren, wodurch sich blutrote, pappige Likörreste auf den Tisch verteilt haben: “Leute, muss das sein?”
Typen: “Hä?”
Ich: “Hättet ihr die nicht einfach normal hinstellen können?”
Typen: *debiles Gelächter*

Zurück an der Theke, ich schildere Flora den Vorfall.
Flora: “Na, drück denen einen Lappen in die Hand, können die ja schön selbst wegmachen!”
Wie kaltblütig und gleichzeitig lustig! Ich schnappe mir einen Lappen.

Zurück am Tisch, ich lege den Lappen wortlos vor die Schweinerei.
Typ1 (aka “Haupttäter”) *beugt sich zur Seite, wartet auf Tätigkeit von mir*
Typ2: “Ich glaub, du sollst das wegmachen.”
Typ1 *reagiert nicht*
Typ3 *nimmt Lappen und wischt unmotiviert über den Saustall*
Typ1, mich herablassend fixierend: “Ernsthaft, wegen den paar Rändern?”
Ich: “Ja, wegen den paar Rändern. Ihr seid jetzt Studenten und nicht mehr zwölf!”
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Neue Gruppe kommt rein, zwei Mädel stürmen Richtung Theke: “Wir sind die Tutoren von der Gruppe. Stimmt es, dass bei euch die Tutoren umsonst trinken?!”
Ich: “Jap.”
Mädels: “Oooooooh!” *bekommen glänzende Augen* “Was für Cocktails habt ihr?”
Ich: “Ähm, wir haben keine Cocktails, sorry…”

Direkt dazu:

Typ: “Bei euch bezahlen die Tutoren nix, gell?”
Ich: “Ja.”
Typ: “Oh, okay, dann ZWEI Bier für mich!”

Und ziemlich ähnlich:

Tutorin: “Kriegen wir hier Frei-Shots?!”
Ich: “Ja.”
*kollektiver Jubel*
Ich: “Was kann ich euch sonst bringen?”
“Mir nix.” – “Grad nix.” – “Bier, aber klein!” – “Eh-eh.” – “Kleines Wasser.” – “Kölsch.” – “Nee, danke, ich will nix.” – “Ich auch nicht.”

Und dazu:

Mädel: “Sorry, die drei sind nachgekommen. Kriegen die auch noch einen Gratis-Shot?”
Ich: “Klar, mach ich sofort. Was kriegt ihr noch?”
Drei neu angekommene Tussis: “Für mich nix.” – “Mir auch nix.” – “Mir ne Cola. Ne kleine!”

Dreist, dreister, am dreistesten.

Es macht mich wirklich traurig zu sehen, wie unreif viele dieser Hühner und Checker doch sind. Man sollte nicht meinen, dass die das Abitur geschafft haben. Stand das nicht mal für “Reifezeugnis”? Ich kam mir echt teilweise vor wie eine Kindergartentante, als ich die Bestellungen aufgenommen habe. Muss man wirklich extra erwähnen, dass nicht alle durcheinander reden sollen?

Vielleicht erwarte ich zuviel. Ich bin hinter den Kulissen und habe einen anderen Blickwinkel. Trotzdem… Man sollte doch annehmen, dass die Erkenntnis, dass solche Kneipentouren für die Angestellten der angesteuerten Betriebe purer Stress sind, nicht gerade viel Grips verlangt. Wenn man mit 25 Leuten gleichzeitig aufschlägt, kann man sich doch vorstellen, dass es da mal ein paar Minuten dauert, bis die Getränke kommen. Und dann könnte man sich doch zumindest bemühen, nicht alles absichtlich dreckig zu machen. Niemand muss mit Ellbogen dicht am Körper und kerzengerade in einer Kneipe sitzen und aufpassen, dass auch ja nichts daneben geht, aber ein BISSCHEN Rücksichtsnahme? Warum muss man etwas absichtlich verschütten? Denn ein Schnapsglas umgedreht hinstellen IST absichtliches verschütten.
Diese Geste soll vermutlich männlich wirken. Sowas wie “Yeeeeah, kuckt mich an, ich kippe Shots und knall das Glas auf den Tisch, denn ich bin ein MANN und so machen Männer das halt!”
Das mag bei irgendwelchen illegalen russischen Wodka ja noch angemessen sein, aber bei 16%igen, pappsüßen Beerenlikör? Bitch please…

Und die Freigetränke. Klar, Studenten haben wenig Geld und freuen sich über sowas. Würde ich auch. Aber das tendiert schon stark ins Unverschämte. Natürlich weiß jeder, dass wir Freishots verteilen, um die Leute wieder in den Laden zu locken. Aber jeder weiß auch, dass sowas Kosten verursacht. Die holen wir wieder rein, indem die Leute was bestellen. Es ist sowieso schon ziemlich dreist, in einer Kneipe rumzuhocken und nichts zu trinken, aber wenn man dann auch noch Freigetränke dazu kriegt?
Genauso die Tutoren. Statt sich zu freuen, dass sie ein Bier umsonst kriegen, bestellen sie das teuerste, was wir haben oder bestellen mehrfach. Einige Tutoren haben in der Dreiviertelstunde, die die Gruppe hatte, blitzschnell drei große Bier gekippt und noch einen Longdrink dazu. Wie frech kann man eigentlich sein?
Mal ganz davon abgesehen, dass es ja wohl mehr als lächerlich ist, eine Gruppe von insgesamt neun Leuten von DREI Tutoren betreuen zu lassen. Ein Tutor für zwei Personen. Lachhaft. Aber Hauptsache Sprit abgreifen.

Deswegen gibt es ab nächstem Jahr nur noch ein Getränk pro Tutor. Hat der Chef so beschlossen und ich stimme ihm zu. Wenn man sich auf ein bisschen Anstand nicht mehr verlassen kann…

14 Antworten zu “Ersti-Tour II.: Ihr Säcke.”

  1. Olaf aus HH Sagt:

    “Abitur” = Zeugnis für die allgemeine Hochschulreife, nicht für Sozialkompetenz oder solchen nutzlosen Unsinn*.
    Die wird in aller Regel zuhause während der Kindheit/ Jugend vermittelt, aber das scheint lange her, als das noch so war.
    Als ich (bis vor ca. zwei Jahren) noch in einer Anwaltskanzlei in Hamburg tätig war, wo die mittags Anwesenden gemeinsam zum Mittagstisch gegangen sind, war es ähnlich kilomegagigadämlich. Die Restaurantbedienung kommt freundlich und arglos konstruktiv zur Aufnahme einer Bestellung, dann wird endlos dummes Zeug gealbert/ gelabert, sie hören nicht zu und “spielen” auch nicht mit bei der Kontaktaufnahme (es ist ein Spiel, was da kurz eröffnet und beim Servieren und Kassieren fortgesetzt wird), reden weiter “abwesend”untereinander, etc.
    Zum Kotzen – als Kellner würde ich solchen Leuten zum Wachmachen eine knallen. Oder eine Ketchup- oder Tomatenmarkflasche holen und dann das Sakko an roten Flecken leiden lassen. Und auf Wunsch gäbe es noch etwas auf die Fresse. Danach lebenslanges Hausverbot. Sogar v.o.r dem Kassieren – nach dem Motto “wir brauchen Euch Zellulose(=papp)nasen nicht, nur: Laßt Euch nie wieder hier blicken.”
    Mittlerweile h.a.s.s.e ich solche Asis mit der Befähigung zum Richteramt oder irgendwelchen Diplomen.
    Mit anderen – angenehmen und sozialfähigen Leuten (solche gibt es auch) entstehen keine solche Probleme – es macht sogar Spaß, mit der Bedienung zu “spielen” und zu scherzen im besten Sinne des Wortes.
    Und alles ist gut für alle.
    Öfter bekommen meine Freundin und ich ein Lächeln oder einen Espresso/ ein Abschlußgetränk auf Rechnung des Hauses. Warum bloß ?? Und dann kommen wir so sehr gerne wieder vorbei.

    Beste Grüße
    aus
    Hamburg

    (* = Ironie…)

    • Hm, ich glaube es gibt einen Grund, weshalb die Juristen so nen schlechen Ruf haben – vor allem auch unter Studenten ;)

      Die schlimmsten Erstis, die ich da hatte, waren Wirtschaftler. Ich habe leider nicht rausgefunden, ob das BWLer, VWLer oder doch Wirtschaftsinformatiker waren, aber auf jeden Fall haben die am meisten genervt und am meisten Dreck verursacht!

      Bei sehr netten Stammgästen lasse ich auch mal ne Runde Schnaps springen. Sowas wird in den meisten Kneipen und Restaurants schon mit eingerechnet ;)

  2. Olaf aus HH Sagt:

    Ach so – ja. Neun Leute und drei Tutoren macht (9:3 = 3) einen Tutor für drei Patienten… ;-)

    • Argh, ich wusste, dass das missverständlich ausgedrückt ist.
      Es waren insgesamt neun Leute – also MIT den Tutoren (waren zwei Gruppen in dieser Minigröße). Also sechs Erstis, die von drei Tutoren betreut wurden, deshalb ein Tutor für zwei Erstis. Absolut lächerlich!

  3. Man könnte darüber schmunzeln,wenn es sich hier nicht um ” Erwachsene Menschen” handeln würde. Ich gebe dir Recht, wenn du dieses Verhalten mit Kleinkindern vergleichst. Ich frage mich echt mal, wie man als Wirt, bei sovielen Freigetränken, noch bestehen kann?

    • Das ist ja nur einmal im Jahr (früher war es einmal pro Semester, aber da seit der Bachlor/Master-Umstellung nur noch im Wintersemester neue Studenten anfangen…). Ich schätze, wir haben etwa zehn Flaschen Schnaps frei verteilt. Wenn man da den normalen Preis für einen Schnaps nimmt (1,80 € bei uns), sind das natürlich gewalige Kosten, aber sowas läuft ja unabhängig davon. Eine Flasche der Sorte, die wir für die Erstis nehmen, kostet gerade mal sieben Euro, damit ist es schon nicht mehr sooo wild. Und die Biere, die die Tutoren getrunken haben (die meisten haben sich ja durchaus auf eins beschränkt, es waren ja nicht NUR Vollidioten da, auch wenn das anders klang ;) )… gerade Bier hat eine sehr schmale Gewinnspanne, deswegen ist das auch nicht so schlimm.
      Ich weiß nicht genau, wie das über die Bücher läuft, jedenfalls kann der Chef solche Ausgaben (die ja im Prinzip Investitionen sind) absetzen. Deshalb mussten wir auch immer genau aufschreiben, wieviele Getränke jetzt gratis verteilt worden sind.

  4. glockzilla Sagt:

    Persoeliche Beobachtung eines Auslaenders: Hier in .de haben meistens Facharbeiter und Techniker (inkl. Akademisch Verbildeter) die besten Umgangsformen, soziale Kompetenz und gesunden Menschenverstand.
    Uebrigens heisst das Abi in Oe “Matura” was selbsterklaerend ist. Wird aber dort haeufig auch missverstanden.

  5. Tja, Studenten sind A****. Das war eine meiner ersten Erkenntnisse im Studium. – Darf man natürlich nicht so pauschalisieren, denn Ausnahmen bestätigen ja bekanntermaßen die Regel.

    Auch mich macht immer wieder fassungslos, wie es schon an grundsätzlichsten Dingen, Anstand, Manieren, Respekt betreffend, fehlt.

    Ich schäme mich regelmäßig. Aber für die Äußerung, vor “dem kleinen Arbeiter” mehr Respekt zu haben, als vor den ach so studierten Herren und Damen, wurde ich schon in mehreren Foren verbal geteert und gefedert. *g* Ändert aber nix an meiner Ansicht.

    • Eigentlich könnte es mir ja egal sein, aber es stört mich schon, wenn ich merke, dass mich ein Student als Gast für ne Vollzeit-Kellnerin hält, bei der es nicht für mehr gereicht hat.

      Ich war diese Woche kurz davor, mich zu einem dieser elitären Trottel zu beugen und ihm zu sagen, dass ich es als kurz vorm Abschluss stehende Studentin nicht nötig habe, mich von einem miesen kleinen Erstsemester so behandeln zu lassen…

      Die werden auch noch merken, dass in unserer Stadt 90% aller jungen Menschen, die einem den Arsch nachtragen, Studenten sind… aber das ist für gewisse Papasöhnchen ja trotzdem kein Grund, freundlicher zu sein (“Wie, du musst neben dem Studium arbeiten? Wird inzwischen jeder arme Pöbel an deutschen Universitäten zugelassen?”)…

      • Ich sag Dir was: Wäre ich Gast bei Euch und bekäme derlei mit – also, dass so ein Studi meint, eine Kellnerin sch*** behandeln zu müssen – dann könnte mir das auch egal sein, sogar am egalsten von allen. – Wäre es aber nicht. So was kann eigentlich keinem Menschen, der nur einen winzigen Funken Anstand hat, egal sein.

        Ich sag Dir was: Ich selbst muss nicht neben dem Studium arbeiten, habe aber einen HÖLLENRESPEKT vor jedem, der es muss/tut und trotzdem noch sein Studium absolviert. Das muss man nämlich erstmal wuppen.

      • Ich meinte, es könnte mir egal sein, wenn mich jemand für ne Vollzeitkellnerin hält. Die sind ja nicht zwangsläufig blöder, nur weil sie nicht studiert haben. Eine gewisse Herablassung ist trotzdem zu spüren…

        Ich würde sowas auch immer direkt ansprechen. Es gibt wirklich nichts peinlicheres als Studenten, die sich für die Elite von morgen halten, aber es dann nicht mal schaffen, die grundlegendsten Regeln der Höflichkeit einzuhalten.

  6. „Ich meinte, es könnte mir egal sein, wenn mich jemand für ne Vollzeitkellnerin hält. Die sind ja nicht zwangsläufig blöder, nur weil sie nicht studiert haben.“

    Dazu fällt mir gerade ein gutes Zitat von Noam Chomsky ein:

    „Ein Intellektueller zu sein, ist eine Berufung für jedermann: es bedeutet, den eigenen Verstand zu gebrauchen, um Angelegenheiten voranzubringen, die für die Menschheit wichtig sind. Einige Leute sind privilegiert, mächtig und gewöhnlich konformistisch genug, um ihren Weg in die Öffentlichkeit zu nehmen. Das macht sie keineswegs intellektueller als einen Taxifahrer, der zufällig über die gleichen Dinge nachdenkt und das möglicherweise klüger und weniger oberflächlich als sie. Denn das ist eine Frage der Macht.“

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