Kuppe gekappt (+ Beweisbild ^^)
Edit: Weil ihr alle so lieb seid, obwohl ich das eigentlich nicht verdient habe, habt ihr euch im Gegenzug ein Beweisfoto verdient, das ich aber nur verlinken werde (meinen Freund, dem Mimöschen, ist beim Anblick ein bisschen schlecht geworden
).
Vermutlich ist es nicht halb so schlimm, wie ihr es euch vorstellt…
Ich bin so dermaßen dämlich.
Gestern war ich endlich!! mal wieder weg. Mit der lieben Trixi, meiner Ex-Kollegin, ein paar (ebenfalls sehr netten) Freunden von ihr und meinem neuen Mitbewohner ging ich auf eine Gothic-Party.
Ich mag die Musik eigentlich nicht und mit Gothics habe ich schon die ein oder andere schlechte Erfahrung gemacht. Ich war dann auch die mit Abstand bunteste Person auf der Veranstaltung *hüstel* Es war dennoch ganz nett, auch wenn sich an diesem Abend mehrere Dramen abgespielt haben. Ich sag nur: Beziehungskram! Trixi hat sich gerade erst von ihrem Freund getrennt, der mit seiner neuen Tussi auf der Party auftauchte. Daher war sie völlig am Boden.
Ich nutzte die Gelegenheit, ihr zu sagen, wie wahnsinnig hübsch ich sie finde. Stimmt ja auch, hab ich ja schonmal erwähnt. Und als wäre das nicht schon genug Grund für eine gewisse Verlegenheit, kam auch noch ein Mädel, das sich als bi outete, dazu und bestätigte meine Einschätzung. Die arme Trixi lief tomatenrot an
Aber naja, darum soll es eigentlich nicht gehen. Es war halt ein für mich irgendwie typischer Abend, an dem ich zu ausgelassen tanzte (schäm), zu viel trank und, zuhause angekommen, zu viel Heißhunger hatte.
Ich nutzte ein von Mitbewohner Mattes neu erworbenes Messer, um eine Packung Käse zu öffnen. Das neue Messer war höllenscharf und ich war wie gesagt betrunken. Es kam, wie es kommen musste: Ich schnitt mir in den Finger.
Aber sowas von. Ich hab noch nie in Echt soviel Blut gesehen. Völlig fassungslos starrte ich auf den tiefen Schnitt, der die Fingerkuppe meines rechten Zeigefingers fast vollständig gekappt hatte, aus dem im Takt meines Herzschlags Blut tropfte. Schnell stand ich da mit einer ganzen Handvoll Blut. Und es wollte auch einfach nicht aufhören!
Ich wollte ins Bad gehen, aber schon nach einem Schritt hatte ich den Küchenboden vollständig versaut, also sprang ich wieder zurück zur Spüle. Da stand ich nun, konnte weder vor, noch zurück und hatte nicht mal eine Küchenrolle. Scheiße!
Letztendlich musste ich ein Küchentuch nehmen (das inzwischen natürlich im Müll liegt) und ging auf die Suche nach Pflastern. Es stellte sich heraus, dass in dem kleinen Verbandskasten, den ich für solche Fälle mal besorgt hatte, kein Pflaster drin war. Ich musste also eine komplette Bandage versauen und das alles schön zutapen, bis es endlich aufhörte zu bluten.
Ich hab dann noch meine Pizza gegessen (…), hab ne Ibuprofen eingeworfen und bin ins Bett.
Am nächsten Morgen entpuppte sich das alles leider nicht als böser Traum. Es tat ehrlich gesagt eigentlich fast gar nicht weh, aber es sah für einen so kleinen Schnitt schon übel aus. Und es war halt sautief! Ein bisschen mehr, und die Fingerkuppe wäre tatsächlich ab gewesen.
Außerdem blutete es immer noch ein bisschen. Es tropfe nicht mehr, aber es nässte halt. Ich musste den Tatsachen ins Auge sehen: Sowas gehört genäht.
Allein die Vorstellung, mich vor die Tür und in den Regen zu quälen, war der absolute Horror, aber nach einigen Stunden Verharmlosungsversuchen machte ich mich doch auf den Weg.
In der Notaufnahme angekommen motzte die diensthabende Schwester mich erst mal an. “Machen Sie mal den Pullover da weg, man sieht ja gar nichts!” Und dann, nachdem ihr Blick auf den Schnitt gefallen war: “Na, DAS ist zu spät, das kann man nicht mehr nähen! Sie hätten sofort kommen müssen!”
Sie teilte mir von oben herab mit, dass sie die Wunde zwar reinigen und tapen könnten, aber mehr wäre nicht mehr möglich. Ich sollte mich außerdem auf eine lange Wartezeit einstellen. Wäre ja alles vermeidbar gewesen, wenn ich sofort gekommen wäre. Nähen könne man nur maximal 4 Stunden nach der Verletzung.
Ja, gnädige Frau, das weiß ich halt nicht! Wenn selbst mein Freund, der eine Ausbildung zum Rettungssanitäter hat meint, ich solle ins Krankenhaus zum Nähen, dann geh ich davon aus, dass es noch nicht zu spät ist! Ich bin auch erst zweimal in meinem Leben genäht worden. Einmal an der Nase, als ich auf einem Schotterweg voll auf die Fresse geknallt bin, und einmal am anderen Zeigefinger, als ich versucht habe, eine Glasscheibe einzuschlagen (lustige Preisfrage: Bei welcher Situation war ich ein Kind, bei welcher betrunken?).
Ich entschloss mich, wieder zu gehen, da ich keinen Bock auf zwei Stunden Wartezeit hatte, wenn die im Prinzip auch nicht mehr machen können als ich selbst. Trotzdem brauchte ich Desifektionsmittel und richtiges Pflaster, also erkundigte ich mich nach einer offenen Apotheke. Die lag natürlich in einer Straße, von der ich noch nie gehört hatte, aber die Schwester konnte mir zumindest die ungefähre Richtung nennen.
Während ich durch den Regen latschte und mir selbst Leid tat, kam ich an der Bar vorbei. Spontan disponierte ich um. Jens machte große Augen, als ich, ungeduscht, mit Jogginghose und zu großem Pulli, an der Theke auftauchte. Im Gastraum war eine Gruppe Rentner mit einer Weinprobe beschäftigt, während ein Fremdenführer ihnen erzählte, in was für einem beeindruckenden Gebäude die Kneipe untergebracht ist.
Jens wurde leicht grün, als ich ihm die Geschichte schilderte, und wollte die Wunde auf gar keinen Fall sehen. Er überreichte mir aber sofort das Gewünschte, so dass ich, wieder zuhause, mich professionell um den Scheiß kümmern konnte.
Jetzt sitze ich hier mit stramm getapten Finger, tippe ungeschickt mit neun Fingern und denke über das Design und den Inhalt eines Warnzettels nach, den ich in die Küche hängen kann. Ich tendiere zu “Finger weg von den Messern, du strunzblöde, besoffene Kuh!” Weitere Vorschläge?
Dieser Eintrag wurde am 14. Oktober 2012 um 19:55 erstellt und unter auf der anderen Seite der Theke, Off Topic mit den Tags betrunkenen und kindern passiert nichts, club, disco, gothicmetal, in den finger geschnitten, moshen, notaufnahme, pogen, saufen, tanzen, wundversorgung abgelegt. Sie können die Antworten auf diesen Artikel durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst antworten oder einen Trackback Deiner eigenen Seite veranlassen.
14. Oktober 2012 um 23:02
Harte Sache. Mein Mitgefühl.
Hier ein Vorschlag (eher konventionell, aber variabel):
“Messer, Gabel, Schere, Licht sind für …* nicht.”
(*Hier eine zum Versmaß passende Selbst- oder auch Fremdbeschreibung einfügen, z. B. kleine…, dumme…, breite… Mmmhh… nicht.)
Sei beruhigt, das wird wieder, ob mit oder ohne Fingerkuppe – eine Trophäe eines harten Momentes im Leben.
Was is’n das für’n Jens, dieser Jens, daß der bei dieser Geschichte gleich grün wird ?
15. Oktober 2012 um 00:02
Ein Jens, der ein ziemliches Mimöschen ist
15. Oktober 2012 um 11:37
Es erinnert mich an die Nacht, in der ich am nächsten Tag aufwachte und ein 3 Gänge Menü fertiggekocht in der Küche vorfand und nur noch alles 5 Minuten garen musste o.O”! Selbst gemacht von mir und ich mich NICHT MEHR ERINNERN KONNTE o__O!! (Eine Gemüsesuppe, japanische Hackbraten mit Zwiebelsauce, Schokopudding)
15. Oktober 2012 um 14:27
War da vielleicht noch etwas anderes im Spiel…?
Hm, also MICH erwartet morgens immer nur das Chaos, das ich in der Küche beim Kochen veranstaltet habe… insofern war ich ziemlich froh, dass ich es noch geschafft hatte, das ganze Blut wegzuwischen o.O
15. Oktober 2012 um 11:48
Du bekommst erst mal die gehörige Dose Mitleid. Ich finde, die hast du verdient, auch wenn du betrunken warst! Auf jeden Fall kannst du dann mit deiner Narbe prahlen
Ich würd mir dafür ganz viele Geschichten ausdenken. Von der Wahrheit bis zum Überlebenskampf mit dem weißen Hai. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! ;D
Ach ja: Schotter – betrunken, Glasscherbe – Kind. (ich steh auf dieses Spiel ;D)
15. Oktober 2012 um 14:29
Genau, ich mach es Jokerstyle
Und deine Lösung ist… FALSCH!!! I’m sorry!
15. Oktober 2012 um 16:28
Perfefkt ;D
Und verdammt! Hach…na gut…bekomm ich, da ich keine gute Verliererin bin, die Glasgeschichte komplett zu hören? Büdde büdde! ;D
15. Oktober 2012 um 18:35
Uuh, an sich schon, nur frage ich mich gerade, ob ich die Story nicht vielleicht besser in einem Beitrag zum Thema “Die dümmsten Dinge, die ich getan habe, als ich voll war” verarbeiten soll, statt sie hier zu verbraten
DAS muss ich mir noch überlegen!
15. Oktober 2012 um 17:46
Arme Robin. Ich hab auch so einen Finger, nach ein paar Jahren kam das Gefühl in der Kuppe wieder. Wenigstens fast.
15. Oktober 2012 um 18:35
Mach mir keine Angst
Momentan wäre ich schon froh, wenn es einfach wieder anwachsen würde, irgendwie scheint das etwas problematisch…
16. Oktober 2012 um 19:07
Geh zum Hausarzt. Wenns nässt, klingt das nach einer beginnenden Infektion und das ist unfein.
Hausarzt kann wenigstens mal drübergucken und das einschätzen, einfach so würde ich das lassen, Finger sind empfindlich und die Folgen können sehr schnell sehr böse werden.
16. Oktober 2012 um 19:42
Nässen war das falsche Wort, das war schon Blut und nichts anderes… aber es ist halt nicht mehr so geströmt wie vorher.
Ja, trotzdem vielleicht mal Hausarzt morgen…
Werd mal ein Bild hochladen, es ist vermutlich nicht so schlimm, wie ihr euch das vorstellt…
15. Oktober 2012 um 18:41
Mach dir nicht zu doll Sorgen. Das wird schon. Nur Geduld.
15. Oktober 2012 um 20:53
“Uuh, an sich schon, nur frage ich mich gerade, ob ich die Story nicht vielleicht besser in einem Beitrag zum Thema “Die dümmsten Dinge, die ich getan habe, als ich voll war” verarbeiten soll, statt sie hier zu verbraten
DAS muss ich mir noch überlegen!”
Au ja – Du wirst wohl eine Menge Resonanz bekommen…;-)
Jeder weiß solche Geschichten zu erzählen. Ich wäre dabei.
Hier noch ein seehr trauriges Lied zum Troste (wahrscheinlich nicht soo Dein Fall, vermute ich – aber es beschreibt eine starke Geschichte aus Irland 1845. und bei der EM 2012 haben es die irischen Fußballfans in Gdansk für ihre Mannschaft gesungen, als klar war, daß die tapfer aber mit 0:4 gegen Spanien verlieren werden. Das waren irre Minuten):
Sie (und die Pogues ebenso) haben damals so unendlich schöne Sauflieder gesungen…
Nochmal: Gute Besserung !
16. Oktober 2012 um 18:57
Boah, für was hältst du mich? Natürlich kenne und mag ich die Dubliners. Irische Musik rockt! (Naja, nicht wortwörtlich, aber du weißt was ich meine
)
16. Oktober 2012 um 22:33
Das ist in diesen Minuten am 16.10.2012 eventuell mißverständlich mit den Kommentaren und deren Zuordnung.
Ja – ich weiß, wie Du das meinst. Danke, das war eine sehr schöne Antwort von Dir.
Hier dann doch noch der Fußball-Link aus Gdansk (geht einfach nicht anders):
Grandios…
deutlich verloren und dennoch tapfer und solidarisch…
16. Oktober 2012 um 22:35
Häh ???
Ich meinte/ wollte das hier:
http://www.youtube.com/watch?v=adBC2wIEB7g&feature=related
Irgendwas funzt hier nicht richtig…
16. Oktober 2012 um 22:41
Himmel !! Ich bin nüchtern, Herr meiner Sinne und dennoch gibt es Panne !
Nochmal: Irland:Spanien, 0:4, 87. Minute in Gdansk. Und dann:
15. Oktober 2012 um 21:53
Ich würde ja eine Kindersicherung am Messerschrank und eine Küchenschere mit stumpfer Spitze vorschlagen
Aber mein Mitleid sei dir gewiss.
16. Oktober 2012 um 09:29
Danke, mit so viel Mitleid hätt ich wirklich nicht gerechnet, eher mit “selbst Schuld” ^^
16. Oktober 2012 um 17:02
Naja nicht wirklich ein Sauflied, eher irischer Nationalismus.
Zum Thema Messer:
Ich bin erstaunt. Wirklich scharfe Messer (rasierfaehig) sind normalerweise nicht so gefaehrlich wie stumpfe. Alte Weisheit:Unfaelle geschehen mit ungeladenen Waffen und stumpfen Messern.
Loesung: Den Umgang ueben. Respekt davor haben. Dann klappts auch voellig verschlafen oder anderweitig beeintraechtig.
16. Oktober 2012 um 18:55
Das trifft vermutlich zu, wenn der Hantierer (in dem Fall moi) weiß, wie scheißscharf das Teil ist. Ich wusste es nicht, denn ich habe es vorher noch nicht benutzt :/
Ich habe gerade Orangen damit geschnitten (sehr, SEHR vorsichtig) und mir ist dabei fast schlecht geworden. Rasiermesserscharf trifft es sehr gut.
Vorteil: Aus dem Grund war es auch ein sehr sauberer Schnitt, womit immer noch eine kleine Chance besteht, dass es wieder anwächst… Und vermutlich tut es deshalb auch eigentlich gar nicht weh.
16. Oktober 2012 um 22:05
ich bin Dir nicht gram, aber mit “irischem Nationalismus” hat das wohl eher wenig zu tun.
Listen to the words…
16. Oktober 2012 um 22:11
Miss Robin,
das wird schon wieder – auch in kosmetischer Hinsicht. Ansonsten wäre das ein “Gefechtsschaden”. Es gibt auch Männer, die so etwas mögen, ähnlich wie ein Piercing.
Danke und schön, daß Dir die Musi gefällt. Freue mich darüber.
17. Oktober 2012 um 02:21
Das tut mir wirklich leid.
Hätte ich von Deiner Verletzung gewusst, hätte ich Dich mit meinen Diskussionskommentaren bei C. an diesem Tag natürlich verschont, aber sowas kann man ja nicht ahnen.
Geh auf jeden Fall zum Hausarzt, etwas ärztliche Begutachtung und Kontrolle ist sicherlich sinnvoll – kein unnötiges Risiko eingehen.
Ich freue mich auf unsere nächste Diskussion.
Deinen Blog finde ich übrigens ziemlich cool (wiewohl Du manchmal etwas zu viel lästerst, das wäre bisher mein einziger Kritikpunkt).
Beste Genesungswünsche
und linksmaskulistische Grüße
17. Oktober 2012 um 03:50
Ach Gottchen, man muss mich jetzt wirklich nicht in Seide betten
Immerhin habe ich es trotz des Fingers noch geschafft, jemanden unmittelbar danach als Arschloch zu beschimpfen
Trotzdem Danke!
Ja, lästern tu ich gerne, ich mag mich manchmal selbst nicht, wenn ich das lese… aber so bin ich halt und kanns nicht abstellen *schulterzuck*
Feministische Grüße zurück ^^